5.2.2 Umfrageauswertung

Im Rahmen der Erhebungsarbeit wurden zwei Fragebogen in Umlauf gebracht, deren Ergebnisse hier umfassend dargestellt werden sollen. Ein Fragebogen richtete sich an Archivleiter und ein weiterer an die Mitarbeiter in Medienarchiven. Die Fragen behandelten von Einschätzungen der Berufssituation über Prognosen und Ausbildungsfragen alle Fragestellungen, die auch in der internationalen Diskussion über Medienarchive debattiert werden. Manche Items kamen in beiden Fragebogen gleichermaßen vor. Wegen der geringen Menge an darzustellendem Material konnte bei der Auswertung auf statistisch abstrahierende Verfahren verzichtet werden. Ergebnisse wurden lediglich im kumulierten Tabellen gereiht angeordnet.

Welche konkrete Fragen aus den im Anhang abgedruckten Fragebogen in einer Tabelle jeweils dargestellt werden, ist aus einem Kürzel am linken oberen Eck der Tabelle ersichtlich. Dabei bezieht sich MA auf den Fragebogen für Medienarchivare und AL auf den Fragebogen für Archivleiter.Eine Zuspitzung der Umfrageergebnisse auf einige wenige markante Aussagen würde den Facettenreichtum, der sich darin wiederspiegelt, zerstören. Die folgenden Übersichten zeichnen ein vielfältiges Bild von Gegenwart und Entwicklungsperspektiven der Mediendokumentation in Österreich und erläutern sich in diesem Sinne weitgehend selbst. Sofern Fragestellung oder Antwortstruktur kommentierenswürdig sind, findet sich ergänzender Kommentar direkt im Anschluß an die Tabelle.  

5.2.2.1 Allgemeine Angaben 

 Frage: MA 1

Geschlecht:

Frage: MA 2

Alter:

n=9

 

n=9

 
 

Nennungen:

 

Nennungen:

männlich

4

-20

 

weiblich

5

21-25

 
 

26-30

2

 

31-35

1

 

36-40

 
 

41-45

2

 

46-50

1

 

51-60

3

 

61-

 

 

 Frage: MA 13

Wieviele Stunden im Monat arbeiten Sie durchschnittlich im Medienarchiv?

Frage: MA 14

monatliches Gehalt - brutto:

n=8

 

n=9

 
 

Stunden:

Nennungen:

 

Nennungen:

Vollbeschäftigung

 

6

dazu möchte ich keine Angaben machen

2

Teilbeschäftigung

100

1

- 10 000

 
 

25

1

10 000 - 15 000

1

 

15 000 - 20 000

 
 

20 000 - 25 000

3

 

25 000 - 30 000

2

 

30 000 -

1

 

 Frage: MA 6

Haben Sie wegen Ihrer Arbeit gesundheitliche Beschwerden?

n=9

 
  Nennungen:   Nennungen:
nein

7

     
ja

2

Wenn ja, welche: Wirbelsäule /Haltung

1

    Augen / Sehvermögen

3

    Nerven

1

    sonstige  
  Sind Sie deshalb in ärztlicher Behandlung? nein

3

    ja  

Die Frage MA 6 ist vor dem Hintergrund der allgemeinen Befürchtungen zu sehen, daß Schreibtisch- und vor allem Bildschirmarbeit massive gesundheitliche Beeinträchtigungen mit sich bringen kann. Sie ist konsequenterweise auch in Zusammenhang mit konkreten Aufgabenstellungen allfälliger berufsständischer Organisationen von Interesse. Die Antwortstruktur bestätigt einschlägige Bedenken nicht.

5.2.2.2 Qualifikation, Vor-, Aus- und Fortbildung

  Frage: MA 3

höchste Schulbildung + zusätzliche Ausbildungen:

n=8

 
 

Nennungen:

Detailangaben:

Pflichtschulabschluß    
Lehre / Fachausb. abgebrochen

1

 
Lehre / Fachausb. abgeschlossen

1

Einzelhandelskaufmann
Matura    
Derzeit studierend    
Studium abgebrochen

2

Philosophie (19. Sem.)

Betriebswissenschaft (10. Sem.)

Studium abgeschlossen

4

Psychologie, Geschichte / Deutsch
Zusätzliche Kurse

3

Grundlagen der EDV, MS-DOS, Word 5

Der Hintergrund der Frage MA 3 sind eine Reihe von Hypothesen im Zusammenhang mit Aus-, Fort- und Vorbildung von Medienarchivaren. In Schlagworten wären dies: Tendenz zur Akademisierung, klassische Abbrecher- und Umsteigerbeschäftigung (Studienabbrecher) sowie geringe fachspezifische Ausbildung. Die Repräsentativität von neun Fragebogen ist natürlich nicht hoch, aber die Akademisierung sowie die geringe fachspezifische Ausbildung zeichnen sich deutlich ab. Die Vermutung, daß Mediendokumentation ein Betätigungsfeld für Personen wäre, die in der Mehrheit Ausbildungsgänge zu anderen Berufen abgebrochen hätten, wird in diesen Zahlen nicht bestätigt. 

  Fragen:

MA 9

AL 13

MA 9: Wählen Sie bitte aus der folgende Liste von Fortbildungsveranstaltungen jene drei aus, die Sie belegen würden, wenn Sie Gelegenheit dazu hätten:

AL 13: Nehmen Sie an, Sie hätten ein Budget, um Mitarbeiter zu einer berufsbegleitenden Fortbildung zu schicken.Bitte wählen Sie auf der folgenden Liste möglicher Seminare jene fünf aus, die Ihnen am wichtigsten erschienen.

n=13

 

Seminartitel:

Nennungen:
Online-Recherchieren in nationalen und internationalen Datenbanken

9

Vorstellung großer Medienarchive, ihrer Ausstattung und Arbeitsweisen - mit Exkursionen

7

Archivkurs: die klassischen Methoden der Archivare und ihre Anwendung in einem Medienarchiv

5

Möglichkeiten des Einsatzes von Personalcomputern zur Informationsverarbeitung, -organisation und -darstellung (Scanning, OCR etc., Datenbankprogramme, Layoutprogramme)

4

Methoden der Wissensorganisation - Ordnungslehre, Aufbau von Ordnungssystemen (Klassifikation, Systematik)

3

Rechtskurs für Medienarchivare - Urheberrecht, Datenschutz

3

Die inhaltliche Erschließung von Dokumenten

3

Datenbanktheorie - mehr Kompetenz gegenüber den Programmierern - einschätzen lernen, was technisch machbar ist und was nicht

3

Intensivseminar - perfektes Scanning, optische Zeichenerkennung mit dem PC

2

Die Gestaltung von Zeitungsartikeln - Stilformenbeherrschung

2

Recherchieren in der APA-Datenbank

2

Benutzerforschung - Theorie und Praxis - Techniken, um mehr über die Bedürfnisse seiner "Kundschaft" zu erfahren

2

Einführung in die EDV

2

Bibliothekskurs: die klassischen Methoden der Bibliothekare und ihre Anwendung in einem Medienarchiv

1

Intensivseminar - eine PC-Datenbank perfekt beherrschen

1

Thesaurusaufbau und Pflege

1

Wie verwaltet man 100.000 Fotografien optimal

1

Menschenführung - Techniken der Gruppenorganisation, -führung und -motivation

1

Techniken und Methoden zur Ermittlung von Informationsbedarf

1

Kommunikationstraining: Techniken professioneller Rhetorik und Gesprächsführung, erfolgreiches Telefonieren, Überzeugen, Präsentieren etc.

1

Die Gestaltung von Fernsehbeiträgen  
Intensivseminar - professionelles Layout von Informationen mit Hilfe von PC-Programmen  
Die formale Erfassung von Dokumenten  

Die Antworten auf die Frage nach allfälligen Fortbildungsveranstaltungen kann unmittelbar als Anregung für Praxiskomponenten allfälliger Dokumentarausbildung übernommen werden. Darüberhinaus ist diese Tabelle aber natürlich auch als Liste empfundener Qualifikationsdefizite lesbar.

  Frage: MA 10

Besitzen Sie privat einen Personal-Computer?

n=8

 

ja

1

nein

7

 Die Frage MA 10 läßt eine insgesamt geringe EDV-Kompetenz der Dokumentare und Dokumentarinnen vermuten.

  Frage: AL 9

Angenommen, Sie haben zwischen mehreren Bewerbern um eine Stellung in Ihrem Archiv auszuwählen. Von der Grundqualifikation her würden alle entsprechen.

Wählen Sie Bitte aus der folgenden Liste drei Merkmale aus, die, wenn sie in einem Bewerber vereinigt wären, den Ausschlag für diesen geben würden.

n=5

 
 

Nennungen:

Allgemeinwissen

5

sauber, ordentlich

3

Gedächtnis

3

Kommunikativ - offen

3

hat journalistische Volontariate absolviert

1

Computerfreak  
Überdurchschnittliche Fremdsprachenkenntnisse  
Bibliothekarsausbildung  

 

 Frage: AL 11

Bitte nehmen Sie an, Sie haben zwischen mehreren Bewerbern um eine Stellung in Ihrem Archiv auszuwählen. Von der Grundqualifikation her würden alle entsprechen. Alle haben ein Studium absolviert.

Bitte wählen Sie aus der folgenden Liste drei Studienabschlüsse aus, die am ehesten den Ausschlag für einen bestimmten Bewerber bringen könnten.

n=5

 
 

Nennungen:

Geschichte

4

Theaterwissenschaft oder Germanistik

2

Informationswissenschaft

2

Politikwissenschaft

2

Publizistik und Kommunikationswissenschaft

1

Informatik

1

Betriebswirtschaft oder Volkswirtschaft

1

Geographie oder Völkerkunde

1

Englisch oder Französisch oder Spanisch oder andere EG-Europäische Sprachen

1

Jus  
Biologie oder Chemie oder Physik  
Psychologie oder Soziologie  
Russisch oder andere slawische Sprachen  

Zu dieser Tabelle muß erwähnt werden, daß es auch vorgekommen ist, daß Archivleiter grundsätzlich in Frage stellten, jemanden zu brauchen, der ein Studium absolviert hätte. Abgesehen davon muß im Rahmen einer kommunikationswissenschftlichen Diplomarbeit mit Bedauern festgestellt werden, daß sich die mögliche Schwerpunktbildung "IuD" im Publizistikstudium bei Archivleitern und Leiterinnen noch nicht als Qualifikationsargument durchgesetzt hat. Die größte Kompetenz wird Studenten und Studentinnen des historischen Faches zugetraut. 

5.2.2.3 Berufsorganisation

  Frage: MA 4

Sind Sie aufgrund bzw. im Rahmen Ihrer Tätigkeit Mitglied einer Berufsvereinigung?

n=9

 
 

Nennungen:

Detailangaben:

nein

7

 

ja

2

Gewerkschaft (2x)

Die Struktur der Organisierung in Verbänden und Vereinigungen wird im allgemeinen als maßgeblicher Indikator für die Entwicklung einer »Tätigkeit« zu einem »Beruf« angesehen. Als mögliche Fachinstitutionen wären klassische Archivarverbände theoretisch genauso in Frage gekommen wie die "Österreichische Gesellschaft für Dokumentation und Information" oder auch die bundesdeutsche "Fachgruppe 7" der Archivare, bei der einige österreichische Mediendokumentare Mitglieder sind. Das konkrete Bild der Antworten bestätigt allerdings die Vermutung, daß die berufliche Organisation der Medienarchivare und Archivarinnen in Österreich insgesamt sehr gering ist.

Frage: MA 15

Angenommen, es gäbe eine "Vereinigung Österreichischer Medienarchivare" mit dem Ziel, die speziellen Interessen der in Medienarchiven Tätigen zu vertreten. Beispielsweise durch Fortbildungsveranstaltungen, Image- und Öffentlichkeitsarbeit, Einflußnahme auf Herausgeber / Verleger etc.

Welcher der beiden folgenden möglichen Meinungen würden Sie sich eher anschließen?

n=8

 
 

Nennungen:

Sollte man unterstützen / beitreten - eine Interessenvertretung braucht jeder Beruf

6

Bringt eher nichts, da gibt es dann wieder irgendwelche Funktionäre, die irgendwo abgehoben theoretisieren

2

 Frage MA 15 belegt eine insgesamt hohe Organisationsbereitschaft von Medienarchivaren und Archivarinnen. Das korrigiert den Eindruck von Frage MA 4 etwas. Offensichtlich fehlt nur die richtige Berufsorganisation.

  Fragen:

MA 16

AL 10

Unter den Aufgabenstellungen, mit denen sich eine Interessenvertretung befassen könnte, gibt es wichtige und weniger wichtige. Bitte wählen Sie auf der folgenden Skala durch Ankreuzen einen Wert zwischen 1 und 5, je nachdem, für wie wichtig Sie den jeweiligen Bereich halten:

n=13

 
 

1

 sehr wichtige Aufgabe

2

3

4

5

absolut unwichtige Aufgabe

 

Anzahl der Nennungen:

Arbeitsbedingungen

9

1

2

1

 
Aus- und Fortbildung

7

3

3

   
Gehalt

4

8

1

   
Image / Öffentlichkeitsarbeit

6

5

1

 

1

 Die Antworten auf die Fragen MA 6 sowie AL 10 können genauso als Programmatik möglicher Interessenvertretung gelesen werden wie als Profil gegenwärtig empfundener Defizite. Zur Etablierung einer Berufsorganisation ist generell zu sagen, daß das Beispiel BRD auf die Situation in Österreich nicht umlegbar ist. Ein Archivleiter, der selbst regelmäßig Gast bei den Fachgruppentagungen in der BRD zu Gast ist, brachte die Sache im Gespräch mit folgender Bemerkung auf den Punkt: Wenn sich die Medienarchivare in Deutschland treffen, so füllen sie Kongreßsäle, die Österreicher hätten im Hinterzimmer eines Kaffeehauses Platz. Die Einsicht, daß eine "Organsation Österreichischer MediendokumentarInnen" wohl nicht viel bewegen könnte, beantwortet allerdings noch nicht die Frage, in welchem anderen Rahmen sich die Mediendokumentare organisieren sollten. Sowohl Qualifikations- als auch Gehalts- und Einstufungsanliegen bedürfen zu ihrer Durchsetzung gezielter beruflicher Organisierung. Im Moment ressortiert die Interessenvertretung einiger Mediendokumentare zur Journalistengewerkschaft. Das sind jene, die nach dem Journalistenkollektivvertrag angestellt sind. Diejenigen, die als kaufmännische Angestelle eingstuft sind, fallen in den Bereich der "Gewerkschaft der Privatangestellten". Im Rahmen einer solchen Aufsplittung ist nur »nebenbei« Vertretung möglich, eine konzentrierte Berufsarbeit jedoch nicht zu erwarten.

  Frage: MA 5

Wenn Sie bei einer Behörde oder in einem amtlichen Formular Ihren Beruf angeben - welche Bezeichnung wählen Sie?

n=9

 

Bezeichnung:

Anzahl der Nennungen:

Dokumentarin

1

Dokumentaristin

1

Archivarin

1

Journalist

2

Redakteur

1

Angestellte

1

Kfm. Angest.

2

Auch die Bezeichnung ist ein Indikator für die Entwicklung einer Tätigkeit zum Beruf. Eine Umfrage, die beinahe soviele Berufsbezeichnungen erbringt, wie Personen befragt wurden, kann wohl nur als Anzeichen einer insgesamt sehr instabilen beruflichen Identität gesehen werden.

5.2.2.4 Tätigkeitsmerkmale

 Frage: MA 7

Wurden jemals journalistische Arbeiten , die Sie gestaltet haben, in Medien publiziert / gesendet?

Frage: MA 8

Geschieht es jetzt, im Rahmen Ihrer Tätigkeit im Medienarchiv, daß Sie Beiträge / Artikel / Sendungen gestalten?

n=9

 

n=9

 
 

Nennungen:

 

Nennungen:

ja

3

regelmäßig

1

nein

6

fallweise

2

 

nie

6

Die Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland geht seit längerer Zeit in Richtung einer Mischqualifikation aus dokumentarischer und journalistischer Arbeit; Stichwort: Dokumentationsredakteur. Wie die Antworten auf die Fragen MA 7 und MA 8 belegen, sind Anzeichen eines solchen Tätigkeitsfeldes in den Dokumentationsstellen österreichischer Printredaktionen einstweilen nicht belegbar.

   Frage: MA 11

Bitten kreuzen Sie alle Tätigkeiten an, die regelmäßig zu Ihren Aufgaben zählen:

n=8

 

Tätigkeit:

Nennungen:

Erteilen von Auskünften an Redakteure

7

Erteilen von Auskünften an Leser / Seher / Hörer

7

Entscheidung über Zuordnung von Oberbegriffen, Vergabe von Schlagworten / Indexierung

7

Recherchieren in der betriebseigenen Datenbank

6

Entscheiden, welche Dokumente / Informationen einem Anfrager vorgelegt / übermittelt werden

6

Entscheiden, was archiviert wird und was nicht

6

Eingabe von Daten in den Computer

4

Ausschneiden von Zeitungsartikeln

4

Fehler, die Kollegen gemacht haben, korrigieren

3

Kontrolle der Tätigkeit von Mitarbeitern

3

Verwaltung von Fotografien

3

Teilnahme an Redaktionskonferenzen

3

Recherchieren in nationalen und internationalen Online-Datenbanken

3

Teilnahme an Konferenzen / Besprechungen, in denen Entscheidungen über die Arbeit in der eigenen Abteilung getroffen werden

2

Materialien / Dokumente in Ablage / Lager bringen - aus Ablage / Lager holen

2

Bibliothekarische Erfassung von Büchern

1

Tippen von Listen

1

Ausfüllen von Karteikarten

1

Redaktionelle Beiträge gestalten

1

  

 Frage: MA 12

Die Arbeit in einem Medienarchiv ist durch verschiedenste Merkmale gekennzeichnet. Bitte wählen Sie auf der folgenden Skala durch Ankreuzen einen Wert zwischen 1 und 5, je nachdem, wie stark die jeweilige Beschreibung auf Ihre Arbeit zutrifft.

n=8

 
 

1

  trifft sehr zu

2

3

4

5

trifft überhaupt nicht zu

 

Anzahl der Nennungen:

abwechslungsreich

3

4

1

   
sicherer Arbeitsplatz

3

1

3

1

 
hohe Verantwortung

1

1

6

   
leistungsgerechte Bezahlung

2

2

2

1

1

gutes Prestige / Image

1

1

3

2

1

flexible Arbeitszeit

1

2

1

 

4

kreativ  

1

4

1

2

hohe Anerkennung / Dank

1

 

2

3

2

gute Aufstiegschancen beim Wechsel des Unternehmens    

5

3

 
gute Aufstiegschancen im eigenen Unternehmen  

1

2

1

4

kein dauernder Streß    

2

4

2

Eine abwechslungsreiche Arbeit an einem sicheren Arbeitsplatz, mit schlechten Aufstiegschancen und viel Streß. So sehen die acht befragten Dokumentare und Dokumentarinnen pointiert ihre eigene Tätigkeit.

  Frage: AL 12

Die folgenden Problemfelder werden in der Literatur immer wieder im Zusammenhang mit Medienarchiven genannt. Bitte wählen Sie jene beiden aus, die im Vergleich auch für Sie die größte Herausforderung darstellen.

n=5

 
 

Nennungen:

der ständige technologische Wandel

4

Bewußtsein für Leistungen u. Verständnis für Kosten schaffen

4

Platzbedarf

1

Schwierige Systematisierbarkeit von Medienstoff

1

Personalfluktuation  
Qualifikation der Mitarbeiter  

Eine große Sorge der Leiter und Leiterinnen von Dokumentationsstellen scheint zu sein, nicht den Anschluß an die technische Entwicklung zu verpassen bzw. früh auf die falsche Technologie zu setzen. Eine Nachfrage nach Aus- und Fortbildung für Mitarbeiter wird nicht signalisiert.

5.2.2.5 Prognosen

  Fragen: AL 1-6

Bitte versuchen Sie aufgrund Ihrer Erfahrung und Sachkenntnis eine Prognose für die Entwicklung der Medienarchivszene in Österreich für die nächsten 5 Jahre. Geben Sie bitte für jedes Prognosefeld durch Ankreuzen eines Wertes zwischen 1 und 5 an, für wie wahrscheinlich Sie persönlich die angesprochene Entwicklung halten:

n=5

 
 

1

 

wird sicher eintreffen

2

3

4

5

wird sicher nicht eintreffen

 

Anzahl der Nennungen:

Die Grenzen zwischen journalistischer und dokumentarischer Arbeit werden in Teilbereichen verschwimmen. Der "Dokumentationsredakteur" wird sich als neues Berufsbild in vielen Redaktionen durchsetzen.

2

1

1

 

1

Einige Medienarchive werden sich durch Verkauf von Leistungen (z.B. via Datenbanken) an externe Nutzer (z.B. Wirtschaft, andere Medienbetriebe, Wissenschaft) eine maßgebliche zusätzliche Einnahmequelle erschließen.

1

2

 

1

1

Journalisten werden in den meisten Fällen selbst in Datenbanken recherchieren.

1

 

3

 

1

Das Gehaltsschema von in Medienarchiven Beschäftigten wird sich dem von Journalisten/Redakteuren angleichen.

1

1

 

2

1

Es werden sich Aus- und Fortbildungsinstitutionen etablieren, die eine Ausbildung zum Medienarchivar / -dokumentar mit allgemein anerkannten Abschlüssen anbieten.  

1

2

 

2

Es wird sich eine Berufsorganisation österreichischer Medienarchivare, vergleichbar mit der Fachgruppe 7 in der BRD, etablieren.    

1

2

2

Als wahrscheinlichste Entwicklung der nächsten Zeit wird angesehen, daß sich das Berufsbild des Dokumentationsredakteurs durchsetzt. Auch die Erschließung von Einnahmequellen beschäftigt die Phantasie der Archivverantwortlichen. Die Etablierung einer Berufsorganisation können sich die wenigsten vorstellen.

  Fragen:

AL 7

AL 8

Bitte versuchen Sie auch für folgende Fragen Prognosen für die nächsten 5 Jahre:

n=5

 
 

stark steigen

leicht steigen

eher stagnieren

leicht sinken

stark sinken

 

Anzahl der Nennungen:

Die Budgets der Verlage/Herausgeber für die Medienarchive werden:  

2

1

1

1

Die Anzahl der in Medienarchiven Beschäftigten wird:    

3

1

1

Was Printarchive in Österreich angeht, so zeichnet sich mittelfristig kein »Goldenes Zeitalter« ab. Die Verantwortlichen gehen einhellig davon aus, daß eine stagnierende bis sinkende Entwicklung maßgeblicher Kennzahlen zu erwarten ist.

5.3 Zusammenfassung

Es gibt nichts zu beschönigen. Unsere Alpenrepublik mag viele Sehenswürdigkeiten besitzen, wegen der Pressearchive lohnt es nicht, von weit her anzureisen. Oder doch. Wer lernen möchte, wie man trotz geringster Mittelausstattung professionelle Dokumentation betreibt, dem kann geholfen werden. Ohne auch noch auf diesem Gebiet Kokurrenzdenken auslösen zu wollen, ist zu vermuten, daß die österreichischen Pressearchive manch besser dotierter Textdokumentation in der BRD an Leistung um nichts nachstehen. Es gibt in unserem Land nur wenige Fälle von Zeitungsarchiven, bei denen die Ressourcenausstattung international vergleichbaren Institutionen entspricht. Dafür aber etliche, deren Auflagenzahlen und Qualitätsanspruch ein größeres Archiv hätten vermuten lassen. Dafür können die Medienarchivare nichts. Verantwortlich sind die Geschäftsführungen der Verlage. In dokumentarischen Qualitätsjournalismus muß investiert werden, heraufbeschwören kann man ihn nicht. Ausreden mit Bezug auf die Größe des Landes sind zurückzuweisen. Das Dokumentationszentrum von Ringier in der kleinen Schweiz beschäftigt fast 50 (!) Dokumentarinnen und Dokmentare. Eine beträchtliche Veränderungsdynamik für Pressearchive geht derzeit von der Volltextarchivierung, vor allem im Rahmen des APA-Host, aus. Ob es eine im dokumentarischen Sinn wünschenswerte ist, bleibt noch abzuwarten.


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